FAQ

Wann beginnt der Kurs? Ist ein Quereinstieg möglich?

Der Jahreskurs des Pädagogischen Seminars beginnt jeweils im September am ersten Schultag der bayerischen Schulen. Er endet im Juli des folgenden Kalenderjahres.

Ein späterer Einstieg ist bedingt möglich bis zu den Herbstferien Ende Oktober. Versäumte Kursinhalte sind dann im Proseminar, das ab November als allgemeiner Einführungskurs in die Waldorfpädagogik beginnt, nachzuholen.

Wie viele Wochenstunden hat der Kurs?

Insgesamt werden 38 Wochenstunden à 45 Minuten – in der Hauptsache als Doppelstunde - gegeben. Beginn ist jeden Morgen um 8:00 Uhr. Am Montag und Dienstag dauert der Kurstag bis 17:30 Uhr (jeweils vier Nachmittags-Stunden). Mittwochs, donnerstags und freitags endet der Kursunterricht jeweils um 13:30 Uhr.

Ist der Abschluss des Seminars staatlich anerkannt?

Einen allgemein für alle Schularten gültigen Abschluss erteilt das Pädagogische Seminar in seiner Eigenschaft als Postgraduierten-Kurs nicht. Für eine staatliche Genehmigung als Waldorflehrer müssen die entsprechenden schulaufsichtlichen Voraussetzungen bereits mitgebracht werden. Das bayerische Kultusministerium anerkennt aber die Seminarausbildung in seiner Genehmigungspraxis für Klassenlehrer der Klassen 1 bis 8 insofern, als staatliche Qualifikationen – Gymnasial-, Realschul-, Mittelschul- bzw. Grundschullehrer – nicht in ausschließendem Sinn behandelt werden.

Das Pädagogische Seminar Nürnberg erteilt den Abschluss „Klassenlehrer/Fachlehrer (Werklehrer) an Waldorfschulen“ gemäß der Vereinbarung im Bund der Freien Waldorfschulen von 2007.

Welche Leistungen muss ich zur Erreichung des Seminarabschlusses erbringen?

Grundvoraussetzung ist eine vollständige Anwesenheit (mindestens 80 %). Zwei Hospitationen und zwei Unterrichtspraktika gehören zur Teilnahmeverpflichtung. Darüber hinaus ist eine Motivarbeit (Abschlussarbeit) zu schreiben, ein methodisch-didaktisches Referat zu halten und ein künstlerischer Abschluss zu erüben.

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Grundsätzlich muss eine genehmigungsfähige Qualifikation vorliegen, in der Regel ein Lehramtsstudium (1. oder 2. Staatsexamen) oder – für Werk- und Handarbeitslehrer – ein Gesellen- oder Meisterbrief in einem unterrichtsrelevanten Beruf.

Auch ein anderer akademischer Abschluss – Diplom, Master – kann zur Aufnahme in den Kurs führen, wenn ein berufsbegleitendes Zusatzstudium (sog. Diplomandenkurs) an der staatlich anerkannten Freien Hochschule Stuttgart absolviert wird. Die Freie Hochschule erteilt ein genehmigungsfähiges Diplom. Aufnahmebedingung ist neben der Seminarausbildung ein akademisches Studium in einem schulnahen Fach.

Als entscheidende innere Voraussetzung sehen wir die Suche nach einem pädagogischen Ideal an, wie es an Waldorfschulen praktiziert wird.

Muss ich im Vorfeld bereits Kenntnisse in Waldorfpädagogik haben?

Nein. Dafür ist ja der Jahreskurs konzipiert. Von wesentlicher Bedeutung aber ist die innere Bereitschaft, Kenntnisse in Waldorfpädagogik zu erwerben. Dies bedeutet ein intensives Sicheinlassen auf eine ganzheitliche Studienerfahrung mit dem Ziel der Unterrichtsverantwortung in einer Waldorfschule.

Muss ich als Waldorflehrer Anthroposoph sein/werden?

Auch hier: Nein. Anthroposophie – auch Geisteswissenschaft genannt – bildet den erkenntnismäßigen Hintergrund der Waldorfpädagogik. Sich mit ihren Ergebnissen, soweit sie die Pädagogik betreffen, auseinanderzusetzen ist aber unabdingbarer Inhalt der seminaristischen Grundlagenarbeit. Der Waldorflehrer muss wissen, welches die Quelle seiner methodisch-didaktischen Praxis ist.

Eine Mitgliedschaft in der Anthroposophischen Gesellschaft bzw. Mitarbeit in entsprechenden Lese- und Forschungskreisen wird nicht verlangt.

Rudolf Steiner hat bei der Gründung der ersten Freien Waldorfschule in Stuttgart 1919 ausdrücklich betont und von den Lehrern verlangt, keine Weltanschauungsschule zu praktizieren, d.h. keine anthroposophischen Themen als Lehrinhalte zu unterrichten.

Für wesentlich wird aber die Kenntnis und Anwendung der entwicklungspsychologischen Menschenkunde nach Rudolf Steiner gehalten, um derentwillen Eltern ihre Kinder ja auf die Waldorfschule schicken.

Was ist, wenn ich mich mit der Waldorfpädagogik nicht anfreunden kann? Ist ein Kursabbruch möglich?

Das Ausscheiden aus dem Jahreskurs ist jederzeit möglich. Eine Teilnahmebescheinigung bis zu diesem Zeitpunkt wird gegeben. Die Kursgebühren werden entsprechend berechnet.

Auch seitens des Pädagogischen Seminars kann es zur Empfehlung des Ausscheidens kommen, wenn sich herausstellt, dass eine Bereitschaft oder Eignung für den Waldorflehrer-Beruf nicht entwickelt wird. Zum Ende des ersten Trimesters werden mit allen Teilnehmern resümierende Beratungs-Gespräche geführt.

Welche Fächer kann ich im Anschluss in einer Waldorfschule
unterrichten?

Die Klassenlehrer-Ausbildung befähigt zum Unterricht aller Grund- und Sachfächer einer Einheitsschule von Klasse 1 bis 8. Dies bedingt ein fortwährendes Selbststudium des Klassenlehrers, wobei Unterstützung von Fachkollegen (Mentoren, Oberstufen-Lehrer) sowie Fortbildungen im Bund der Freien Waldorfschulen gegeben werden.

Je nach Befähigung sollte der Klassenlehrer ein Nebenfach unterrichten, weil das reine Klassenlehrer-Deputat kein Vollzeit-Deputat (ca. 24. Std.) ergibt. Dies kann im sprachlichen, handarbeitlichen, religionspädagogischen, spielturnerischen u.a. Bereich liegen. Mitgebrachte Fach-Qualifikationen können – auch in der Oberstufe; hier bis in Prüfungsklassen – eingebracht werden, wenn die entsprechende Genehmigungsfähigkeit vorliegt.

Für alle Fachausbildungen gibt es Ausbildungsmodule im Bund der Freien Waldorfschulen, deren Ziel ein waldorfspezifisches Diplom ist. Reine Fachlehrer (etwa Fremdsprachen- oder Werklehrer) unterrichten in der Regel mit vollem Deputat ihr besonderes Fach.

Wie sehen meine Einstellungschancen aus? Gibt es eine
Einstellungsgarantie?

Die Einstellungschancen für Absolventen von Waldorfseminaren sind grundsätzlich günstig, da bundesweit der Lehrerbedarf an Waldorfschulen sehr groß ist und in den nächsten Jahren – wegen absehbarer Verrentungen – noch steigen wird. Diesen Bedarf können die Seminare nicht voll abdecken.

Dennoch kann seitens des Pädagogischen Seminars keine Einstellungsgarantie gegeben werden, da die Lehrereinstellungen von den jeweiligen Kollegien der Schulen vorgenommen werden. Deren autonome Entscheidungen kann das Seminar nicht beeinflussen.

Flexibilität und Mobilität vorausgesetzt darf dennoch eine bundesweit (und darüber hinaus) ermutigende Prognose gegeben werden.

Das Pädagogische Seminar informiert regelmäßig über aktuelle Stellenausschreibungen.

Wie kann ein einjähriger Kurs überhaupt für die Lehr-Tätigkeit
qualifizieren?

Im Vergleich zum grundständigen Studium der Waldorfpädagogik an einer Freien Hochschule (5 Jahre) oder zu anderen mehrjährigen Lehrerseminaren ist die Nürnberger Ausbildung relativ kurz. Sie führt eingehend in die wesentlichen Fächer der Waldorfschule und deren Hintergrund ein und ermöglicht eine intensive Selbst-Erziehung sowie 2 mal 3 Wochen Praxiserfahrungen im Unterricht.

Man verlässt das Nürnberger Seminar nicht als „Fertiger“, sondern im Bewusstsein des Suchens und Weiterentwickelns. Der lernende Lehrer ist das Ziel; Begeisterung, Offenheit die Quelle seiner pädagogischen Tätigkeit.

In allen Waldorfschulen wird dem Berufseinsteiger ein erfahrener Mentor an die Seite gestellt, so dass die Anfangsjahre bei aller bereits voll getragenen Verantwortung noch den Charakter der begleiteten Praxis-Einführung haben.

Wie sehen die Verdienstchancen an einer Waldorfschule aus?

Waldorflehrer sind Angestellte des jeweiligen Schulvereins. Dieser regelt die Gehälter nach einer schulinternen Gehalts-Ordnung. Sie gilt in der Regel für alle Lehrer der Schule ohne Ansehen ihrer gymnasialen oder anderen Studienqualifikation.

Grundsätzlich kann man sagen, dass im unteren Bereich eine Vergleichbarkeit zu staatlichen Lehrergehältern besteht; in der Oberstufe liegt das Einkommen unter dem vergleichbarer Gymnasiallehrer.

Die Gehälter werden– den Beamtengehältern entsprechend – in den meisten Waldorfschulen laufend an die Lebenshaltungskosten angepasst. Auch sind altersbezogene Gehaltsregelungen üblich.

Über den gesetzlichen Renten-Anspruch hinaus kann ein Schulverein auch eine betriebliche Zusatzrente ermöglichen.

Bei Einstellungsgesprächen informiert der Geschäftsführer oder der Gehaltskreis der jeweiligen Waldorfschule über die örtlichen wirtschaftlichen Bedingungen.